ECHO OF THE VACUUM
Am 19.03. um 19 Uhr im
Museum der Arbeit
(Eintritt kostenlos, Anmeldung über das Museum der Arbeit)
Mit einer musikalischen Performance bespielt picnic die Ausstellung "Care! Wenn aus Liebe Arbeit wird"
Care-Arbeit hat nichts mit Kunst zu tun, wir müssen sie aber aktiv zu Kunst machen, um selbstbestimmt interagieren zu können!
Die "Hausfrau" und Künstlerin Janet Sobel hat in New York in den 1940ern mit ihrem Staubsauger Farbe auf der Leinwand verteilt, damit das Action-Painting erfunden und doch keine Anerkennung bekommen. Wenn die Waschmaschine der Sängerin Meredith Nicoll fertig ist, spielt sie “Die Forelle” von Schubert. Die Schauspielerin Mona Vojacek Koper schmiert Brote, während sie in der Warteschleife der Künstlersozialkasse hängt. Warum ist die fertige Waschmaschine für Meredith kein Konzert, warum summt sie manchmal trotzdem genervt mit? Die Instrumentalistin Milena Voitsekhovska lässt aus aufgewirbelter Luft Musik entstehen, mit Staubsauger und Akkordeon. Mona denkt darüber nach, woran sie noch alles denken muss. Milenas Großmutter ist ein Genie im Kuchenbacken, auf Michelin-Niveau! Warum gibt es einen Genie-, aber keinen Care-Kult?
Ein Projekt von picnic in Kooperation mit dem Museum der Arbeit Hamburg. Gefördert durch die Claussen Simon Stiftung und das Bezirksamt Hamburg-Nord.
Von und mit: Meredith Nicoll (Performance, Gesang), Milena Voitsekhovska (Performance, Instrumente, Gesang, Text), Mona Vojacek Koper (Performance, Text, Gesang), Jens Bluhm (Regie, Text), Lena Carle (Dramaturgie, Text, künstlerische Produktionsleitung)
über uns
Interdisziplinär sein bedeutet bla-bla, da-da und pic-nic. Wir sind picnic. Ein Kollektiv aus den Bereichen Gesang, Musik, Video, Schauspiel, Performance und Tanz. Ob in der Oper, der zeitgenössischen Musik oder dem Theater: Uns eint das Gefühl in Konventionen und Strukturen verfangen zu sein und daran etwas ändern zu wollen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Arbeitsweisen für einen anderen Umgang des Zusammenspiels der Disziplinen zu entwickeln.
Deshalb kochen wir jetzt unsere eigene Suppe und nehmen die Gefahr in Kauf, nicht eindeutig zuordenbar zu sein.
Im Miteinander, der Herangehensweise, sowie in der Reflexion aller ästhetischen Disziplinen bedeutet uns Gleichberechtigung viel.
Unsere Aufführungen changieren kaleidoskopartig zwischen Lecture Performance, Video Art, Oper, Tanzperformance, Schauspiel und Konzert. Kitsch und Avantgarde ziehen uns gleichermaßen an.
Wir halten wenig von alten Meistern und großen Werken. Was ist ein Werk? Wer steht hinter dem Herd? Jenseits der großen Meister werden wir zu unseren eigenen Übermusen. Schaffen Raum für Widersprüche, gewagte Perspektiven, Spinnereien und gegenwärtigen Kontext.
Rührt eure Suppe selber um. Keine*r räumt hinter euch auf!
picnic sind: Jens Bluhm, Lena Carle, Meredith Nicoll und andere Kollaborateur*innen.
TERRITORIUM — Grenzenlos Volksmusik
Wer ist eigentlich auf die bescheidene Idee gekommen, Nationalstaaten zu gründen, Zäune drum zu bauen und Lieder drüber zu singen? Macht euch sesshaft! picnic erschafft ein performatives Territorium: Der Bühnenraum wird versuchsweise zum Gebiet, zum Staat, zur Insel erklärt, die Konsequenzen assoziativ ausgelotet. Der Widerspruch zwischen ausgrenzendem Heimatgehabe und dem notwendigen Gefühl, sich zu Hause zu fühlen, bleibt natürlich erhalten.
Wie klingt die Volksmusik-Show, auf die wir uns als identitätsstiftendes Ritual einlassen? Kann ein WIR entstehen, zwischen den Performer:innen und dem Publikum? Welche Hymne passt zu uns? Alle sind herzlich eingeladen, mitzusingen und aus ganzem Herzen völlig ironiefrei auf die eins und die drei zu klatschen. Wie immer, trotz guter Unterhaltung, Lagerfeuerromantik und steiler Utopie, holt uns am Ende die Realität ein. Wie soll es anders sein?
Von und mit: Roman Gerber (Klarinette), Silke Lange (Akkordeon), Meredith Nicoll (Gesang, Performance), Charlotte Ortolf (Tuba), Anton Rudakov (Tanz), Milena Voitsekhovska (Akkordeon, Performance), Mona Vojacek Koper (Performance, Text), Assia Weissmann (Bratsche, Geige), Beata Berger (Tontechnik), Jens Bluhm (Regie, Text), Lena Carle (Dramaturgie, Text), Hark Empen (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit), Sophie Leypold (Kostüm), Nanako Oizumi (Bühne), Tannaz Nikbin Gargari (Produktionsassistenz), Grigorii Popov (Produktionsleitung), Felix Stachelhaus (Komposition & Schlagzeug)
Eine picnic-Produktion in Koproduktion mit dem LICHTHOF Theater Hamburg
Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR, von der Hamburgischen Kulturstiftung, der Claussen-Simon- Stiftung, ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, "ART CONNECTS – Hilfsfonds für Projekte mit schutzsuchenden Kulturschaffenden". Hamburg, 2023
just in case
Ein Auf- und Abstellkammerspiel
Was kommt in die Kiste? Was nicht in die Tüte? Was muss weg? Sortieren ist Schubladendenken, nicht Sortieren die Verweigerung, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen – ein unbehagliches Dilemma. In diesem Dilemma bewegt sich die Musikperformance just in case. Sie muss ihren eigenen Content sortieren: Ein Wühlen durch Abstellkammern, Skandieren von Inventarlisten, Kramen in Narrativen. Aussortiertes wird in Veranstaltungskisten verstaut – doch die haben ihren eigenen Sound, eine geräuschvolle Partitur, sie bauen Spannung auf, denn sie verbergen Dinge. Ein performativer Versuch aus Sprache und Klang, den Wert der Dinge zu ermitteln.
„Die versteckte Musikalität im Alltag zu entdecken, ist die Spezialität des
Musiktheaterkollektivs picnic um Regisseur Jens Bluhm, Dramaturgin Lena Carle,
Schauspielerin Anna Eger, Sängerin Meredith Nicoll, Musiker Felix Stachelhaus.“
(Falk Schreiber, „Was den Suezkanal mit dem Lichthof verbindet“, Hamburger Abendblatt 10.10.2021)
picnic:
Jens Bluhm (Regie usw.)
Lena Carle (Dramaturgie usw.)
Anna Eger (Schauspiel usw.)
Meredith Nicoll (Gesang usw.)
Felix Stachelhaus (Musik usw.)
Gäst*innen:
Irini Aravidou (Schlagwerk)
Beata Berger (Licht, Ton)
Colin Hausberg (Schauspiel)
Marie Häusner (Bühne)
Lisa Hofer (Stimme)
Laura Mitzkus (Schauspiel)
Lola Mlačnik (Schlagwerk)
Anne Braun (Kamera)
Gianna-Sophia Weise (Kostüm)
Film:
Jens Bluhm (Regie, Schnitt)
Anne Braun (Kamera & Schnitt)
Dominik Siegmann (Kameraassistenz)
Karola Pfaffinger (Ton)
Felix Stachelhaus (Komposition, Ton- mischung)
Eine Koproduktion mit dem LICHTHOF Theater. Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Herzlichen Dank an Amptown Cases. Hamburg, 2021
a few words for a woman to sing -
ein posthumes empowermentprojekt
Die Sängerin Cathy Berberian starb einen Tag bevor sie verkleidet als Marilyn Monroe die Internationale zum 100. Todestag von Karl Marx singen konnte. Mit dem Reanactment dieses Nichtauftritts beginnt die Musikperformance „a few words for a woman to sing“. Die Vision von etwas, das hätte sein können, aber nie war. Ein posthumes Empowermentprojekt für die Künstlerin, die trotz ihres einzigartigen Umgangs mit Stimme wenig bekannt geworden ist. Weil sie eine Frau war? Weil einer Frau kein Werk zugetraut wird? Wir schaffen eine Musikperformance als flüchtige Statue für Cathy.
„Die Performance von picnic beginnt mit dem Abspielen einer alten, italienischen Aufnahme der „Internationale“, verfremdet diese offen klanglich, und
steigt so in sein Thema ein: die Suche nach dem Phänomen Cathy Berberian,
nach der Künstlerin, die fröhlich und fanatisch alles dem Primat des Ausdrucks
unterordnete und dies auch von anderen verlangte; die Ton- und Klangschönheit
um ihrer selbst willen immer wieder scharfzüngig geißelte. Dazu kommt die Suche
nach der Frau in der männerdominierten Neue-Musik-Szene, die einige Jahre mit
einem von deren Protagonisten, Luciano Berio, verheiratet war, unzählige Urtaufführungen sang und doch der macho-Macht in der Blase immer wieder die Stirn
bot.“
(Andreas Falentin, „Klangraum, raumlos“, DIE DEUTSCHE BÜHNE 12.02.2021)
Jens Bluhm: Regie usw.
Lena Carle: Dramaturgie usw.
Anna Eger: Performance usw.
Manaka Nagai: Video usw.
Meredith Nicoll: Stimme usw.
Felix Stachelhaus: Musik usw.
Gianna-Sophia Weise: Kostüm usw.
Eine Koproduktion mit dem TD Berlin und dem LICHTHOF Theater / Gefördert durch die Hamburgische Kulturstiftung, die Claussen Simon Stiftung, die Rudolf Augstein Stiftung und die LICHTHOF Stiftung / Supported by Probebühne im Gängeviertel.
Hamburg, 2021
Obduktion einer Kunstfigur - Klaus Nomi
Drei Leichensäcke liegen auf einem Bühnenpodest, das vorerst leer bleibt. Die Titelfigur des Abends ist abwesend. Links neben dem Podest sitzen eine Tänzerin, ein Schauspieler und eine Sängerin, rechts ein Musiker hinter seinem Schlagzeug samt elektronischer Elemente. Im Hintergrund auf einer Leinwand aus Pyramiden-Schaumstoff werden Videos projiziert. Mediale Überreste wie Texte, Songinterpretationen und YouTube-Videoschnipseln skizzieren ein vielschichtiges Bild des Sängers Klaus Nomi, das trotzdem unvollständig bleibt – doch diese Unvollständigkeit wird zum Thema der Veranstaltung. Das Anliegen des Musiktheaterprojekts „Obduktion einer Kunsfigur – Klaus Nomi“ war es, mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln ein Verfahren und gleichzeitig eine ästhetische Form zu entwickeln, um die Facetten einer Kunstfigur zu untersuchen: So entstand die Theatrale Obduktion. Zentrales Artefakt war dabei das Video eines Klaus Nomi-Auftritts: ein alter Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1982, in dem er eine Arie aus Henry Purcells King Arthur interpretiert. Es zeigt den Moment, in dem die Kunstfigur Klaus Nomi der Privatperson so nahe kommt wie nie zuvor – Der Tod als Thema der Arie ist dem Körper des Sängers sichtbar eingeschrieben. Zurückblickend ist dieser Auftritt der (traurige) Höhepunkt Klaus Nomis Karriere, das Video Zeugnis davon. Dieser im Video festgehaltene Moment im Leben Klaus Nomis scheint durch die Kunstfigur hindurch den Blick auf seine Biographie freizulegen: auf sämtliche seiner Facetten und Schichten. Es offenbart sowohl den Künstler als auch den erkrankten Menschen, wodurch die Frage nach der Identität des Menschen hinter der Kunstfigur entsteht. Wer war dieser Grenzgänger zwischen Pop-Musik und Oper, Klaus Sperber alias Klaus Nomi? Im Zuge der Theatralen Obduktion, ein musik-performatives Verfahren, haben wir eine musikalische Bühnenshow erarbeitet, die die von Klaus Nomi verwendeten Mittel Gesang, Musik, Tanz und Schauspiel, zerlegt, untersucht und reflektiert – Um die Entstehung einer Kunstfigur erlebbar zu machen und Fragen der Selbstdarstellung aufzuwerfen.
“Aufwendige Musikperformance” (Falk Schreiber, Theater heute 06/2019)
„eine sehr kurzweilige Beschäftigung mit dem Phänomen Nomi“ und „zum Nachdenken anregende Lecture“ (Peter Nowak, Der Freitag 03/20)
„Nach einigen Passagen über das Thema Aids mit Texten von Susan Sontag endet das Stück in einem intensiven Remember me! (...) Traurig der Abschluss: „I`ll call you back sometime“ ist die Stimme Nomis von seinem Anrufbeantworter zu hören. Ein intensiver Abend voll mit visuellen, klanglichen und textlichen Überraschungen.“ (Steffen Kühn, Kultur-Extra 03/20)
Gesang und Performance: Meredith Nicoll
Schauspiel und Peformance: Philipp Joy Reinhardt / Anna Eger
Live-Musik und Performance: Felix Stachelhaus
Tanz und Performance: Mona Vojacek Koper
Konzept und Regie: Jens Bluhm
Konzept und Dramaturgie: Lena Carle
Bühne und Kostüm: Gianna-Sophia Weise
Video: Philipp Joy Reinhardt
Komposition: Felix Stachelhaus
Nachtasyl, Thalia Theater Hamburg, 2018 / Hauptsache frei-Festival & Lichthof Theater Hamburg, 2019 / Theaterdiscounter Berlin, 2020